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NEWS 13. Mai 2026
Klassischer Bankberater vs. Finfluencer – wohin geht die Reise?
Gestern waren wir bei der DKF im Sofitel in München – dem führenden Branchenevent für Marktdaten und Finanzinformationen. Auf der Agenda standen Netzwerken, hochkarätige Vorträge und spannende Panels, u.a: „Finanzberatung quo vadis? Immer mehr Anleger werden zu Selbstentscheidern, nutzen Online-Plattformen und folgen Finfluencern statt klassischer Bankberatung. Damit stellt sich die Frage, ob der klassische Bankberater ausgedient hat und wohin die Reise geht? Ein Einblick.
Status quo: Die junge Generation informiert sich heute zuerst bei YouTube, TikTok und Instagram und nicht am Bankschalter. Viele werden zu Selbstentscheidern und nutzen Neobroker, Research-Tools und Finanz-Apps. Dabei liefern Finfluencer einen schnellen, niedrigschwelligen Zugang zu Finanzwissen – ohne Termin, ohne Filiale, ohne Kosten und Konsequenzen.
Damit verschiebt sich die Rolle der klassischen Bankberatung: Vom „Produktverkäufer“ hin zum Sparringspartner für komplexe Entscheidungen und Abschied vom Informationsmonopol (früher wusste der Berater alles, der Kunde nichts) hin zum Dialog auf Augenhöhe.
Hat der klassische Bankberater also bei der jungen Generation bereits ausgedient?
Wir würden das zum heutigen Zeitpunkt verneinen, doch muss sich seine Rolle radikal ändern. Was für die junge Generation nicht mehr funktioniert, sind provisionsgetriebene Produktverkaufsgespräche und Fachjargon. Vielmehr braucht es Transparenz und fachkundige Beratung und eine objektive Einordnung in Abgrenzung zum Produktvertrieb.
Der Bankberater der Zukunft als Finanzcoach und Qualitätsfilter
Statt Content über Broschüren zu verbreiten, könnten sich traditionelle Bankberater einiges in Hinblick auf die Omnichannel-Präsenz der Finfluencer abschauen. Sie sollten nicht nur in der Filiale, sondern auch digital sichtbar sein und ihre Kunden über Erklärvideos, Webinare, Insta-Lives, Q&A-Sessions, „anlocken“ und verständlich vermitteln. In der gestrigen Podiumsdiskussion fanden wir besonders interessant, dass die Frage, ob man Bankberatern traut, vom großen Teil verneint wurde. Die leicht abgeänderte Fragestellung, ob man „seinem“ Bankberater vertraut, wurde wiederum vom Großteil bejaht. Dies verdeutlicht, dass – auch in Zeiten digitaler Tools und KI – der Mensch und damit der persönliche Kontakt weiterhin im Fokus stehen und der Vertrauensaspekt einen essentiellen Bestandteil bildet.
Sollen Finfluencer einer BaFin-Regulierung unterliegen?
Diese so spannende Frage wurde ebenfalls heiß diskutiert. Generell wäre eine Regulierung sinnvoll, um verborgene „Anlageempfehlungen“ mit Affiliate-Links, Kooperationen und eigenen Produkten einzuordnen und insbesondere für jüngere Anleger den Unterschied zwischen neutraler Finanzbildung und interessengeleiteter Empfehlung offenzulegen. Ohne Mindeststandards für das ein oder andere „schwarze Schaf“ drohen Fehlinformation und Vertrauensverluste und diese können dann letztendlich den gesamten Markt treffen.
Eine sinnvolle Regulierung könnte im ersten Schritt eine klare Trennung zw. allgemeiner Finanzbildung und konkreter Anlageempfehlung umfassen sowie zu definierende Transparenzpflichten zu Kooperationen und Werbedeals. Wichtig ist jedoch, dass die Regulierung den aktuellen Trend und das flächendeckende Interesse an Finanzbildung nicht abwürgt, sondern lediglich höhere Qualitätsstandard und eine Transparenzsicherung zum Ziel hat.
Unsere Key Take Aways:
1. Educational Content als Einstieg
YouTube, TikTok und LinkedIn bieten einen einfachen Zugang zum Thema Geld:
Der Nutzer kann anonym zuschauen, stoppen, zurückspulen – ohne Verkaufsdruck. Banken und klassische Player sollten selbst Content produzieren oder mit seriösen Finfluencern kooperieren.
2. Vertrauensaufbau durch Nähe und Authentizität
Erklärvideos, Livestreams, Q&As zeigen Menschen statt Marken und bauen Persönlichkeit und Verlässlichkeit auf. Junge Menschen vertrauen eher jemandem, den sie „begleiten“, als einer unbekannten Person im Anzug hinter einem Schreibtisch.
3. Seriöse Finfluencer entstauben das Thema Finanzen, machen Komplexes alltagstauglich. Sie sind nicht mehr wegzudenken, da es genau das braucht, um das verstaubte Finanzthema alltagstauglich zu machen und Finanzbildung breit in die Gesellschaft verankern.
4. Und da Geld, Börse und Vorsorge in den Alltag, und nicht nur in die Filiale, gehören, könnten beide Seiten vielmehr zusammenarbeiten und gemeinsam eine neue Börsenkultur etablieren.
